Plan B: Präsidentenmord

Okt 2 • Geheimdienste, Lateinamerika • 857 Views • Keine Kommentare zu Plan B: Präsidentenmord

Ecuadors Staatsoberhaupt legt Beweise für Mordplan vor

(Magazin Geheim/Ingo Niebel) Im Interview mit Ecuador TV und vor den Außenministern der UNASUR-Staaten hat Ecuadors Präsident Rafael Correa Beweise vorgelegt, dass die Putschisten vorhatten, ihn zu ermorden. Das sei ihr Plan B gewesen für den Fall, dass der Staatsstreich scheitern würde. Correa verwies auf die fünf Einschüsse, die sein gepanzerter Geländewagen erhielt.

„Diese Señores hatten vor, den Präsidenten zu töten“, sagte das Staatsoberhaupt. Sein Jeep und vier weitere Wagen der Präsidentenkarawane wurden beschossen, als Correa nach seiner gewaltsamen Befreiung Donnerstagnacht (Ortszeit) das Polizeikrankenhaus verließ. Ein Spezialkommando des Militärs hatte ihn nach zehn Stunden Geiselhaft befreit.

Die Polizei und Teile der Luftwaffe hatten an jenem 30. September 2010 geputscht. Als Correa sich in eine Polizeikaserne in Quito begab, um mit den Putschisten zu verhandeln, griffen ihn aufgebrachte Beamte an. Eine Tränengasgranate verletzte den Präsidenten am Kopf und auch sein Außenminister Ricardo Patiño erlitt eine schwere Kopfverletzung. Ihr Begleitkommando brachte sie ins nahegelegene Polizeihospital, das die Putschisten umgehend umstellten. Sie hinderten Correa am Verlassen des Gebäudes. Im ganzen Land meuterten Polizei und einige Militäreinheiten. Das militärische Oberkommando blieb loyal. Landesweit gab es mindestens acht bekannte Todesfälle. Meistens handelt es sich um unbewaffnete Bürger, die sich den meuternden Polizisten und Soldaten gegenübergestellten. Correa hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Parallel dazu hat die Regierung die gesamte Polizeiführung des Landes ausgetauscht. Sechs Generäle mussten ihre Posten räumen. Vier hochrangige Militärs übernahmen ihre Funktionen. Der Präsident ist überzeugt, dass die Polizeitruppen infiltriert wurden. Videoaufnahmen belegen die Präsenz von Zivilisten, die agitieren und provozieren. Des Weiteren macht Correa die Opposition für das Putschklima verantwortlich. Diese habe die umstrittenen Gesetzesänderungen absichtlich falsch ausgelegt.

Trotz des Scheitern des Staatsstreiches bleibt der Ausnahmezustand bestehen. „Ich kann nicht sagen, dass wir vollkommen beruhigt sind, weil viele derer, die gestern mobilisiert wurden, möglicherweise das immer noch sind und es könnte sein, dass sie das Geschehene nochmal wiederholen wollen“, sagte Außenminister Patiño am Freitag dem lateinamerikanischen Fernsehsender teleSur.

Währenddessen versucht die lateinamerikanische Rechtspresse die Ereignisse herunterzuspielen. Auf die Rolle, die dabei erneut die US-gesteuerte Interamerikanische Pressegesellschaft SIP, spielt, verweist der kanadische Journalist Jean-Guy in einem aktuellen Beitrag. „Correa sagt, dass es einen Putschversuch gegeben habe“, titelt die in Miami erscheinende Zeitung Diario Las Américas. Ihr Eigentümer, Alejandro Aguirre, leitet gerade die SIP. Der Titel des Blatts entspricht der Leitlinie des Weißen Hauses, das die Ereignisse in Ecuador verurteilt, sich aber wie im Fall Honduras 2009 weigert, von einem Putsch zu sprechen.

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