Putsch a la española

Mai 18 • Geheimdienste, Lateinamerika • 1174 Views • Keine Kommentare zu Putsch a la española

Boliviens Präsident Morales beschuldigt Spaniens Postfranquisten des Umsturzversuchs

(Magazin Geheim, Ingo Niebel). Boliviens erster indigener Präsident Evo Morales beschuldigt die spanische Volkspartei (Partido Popular, PP), gegen ihn einen Putsch organisiert zu haben, der aber „glücklicherweise“ 2007 scheiterte. Das Staatsoberhaupt machte diese Äußerungen während des „Nachrichtenfrühstücks“ der Agentur Europa Press am 18. Mai 2010 in Madrid.

Morales stützte seine Anschuldigungen auf Pressemitteilungen. Demnach soll die PP den Umsturz über eine spanische Stiftung organisiert haben. Ziel sei gewesen, „Bolivien zu teilen“ und eine „Separatistengruppe“ aufzubauen, so der Führer des Movimiento Al Socialismo (MAS, Bewegung zum Sozialismus) weiter. Europa Press ergänzte in einer eigenen Nachrichtenmeldung, dass es sich bei der besagten Stiftung um die Fundación Iberoamérica Europa handeln könnte. Sie ist Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen in Bolivien. Die Strafverfolgungsbehörden sind der Ansicht, dass diese Stiftung 250.000 Euros an Söldner bezahlte, die einen Staatsstreich und ein Attentat gegen Morales durchführen sollten.

Gemäß eigenen Angaben unterhält die Fundación Iberoamérica Europa (FIE) Verbindungen zur Industrie- und Handelkammer CAINCO im Santa Cruz, einer Hochburg der bolivianischen Oligarchie und Zentrum des antisozialistischen Widerstandes in Bolivien. Vorsitzender der Stiftung ist der ehemalige PP-Abgeordnete Pablo Izquierdo, der wiederum aufs Engste mit der PP, der dem ehemaligen Premier José María Aznar (1994-2006) nahesteht. Aznars Gattin, die Madrider Politikerin Ana Botella leitete die FIE zwischen 1994 und 1996. Weitere PP-Mitglieder bekleiden Führungsposten in der Stiftung. Zwischen 1999 und 2008 erhielt die FIE etwa 4,3 Millionen Euro an Subventionen. Davon flossen 990.000 Euro in die Stiftungsarbeit nach Bolivien. Die Einrichtung erhielt im November 2008 einen weiteren Zuschuss von einer Million Euro seitens der Autonomen Gemeinschaft Madrid, die von der PP regiert wird. Die spanische Tageszeitung El País berichtete im September 2009, dass 750.000 Euro für die „Stärkung institutioneller Kapazitäten für die Entwicklung der benachteiligtesten Schichten in Bolivien“ bestimmt waren. Weitere 150.000 Euros sollen nach Venezuela fließen, um dort „Institutionen im Unternehmensbereich, soziale Führer und junge Journalisten“ zu fördern. In Spanien betreut die FIE in drei Zentren Migranten aus Lateinamerika und aus Rumänien. Dafür erhielt sie weitere 1,6 Millionen Euro. Vor fünf Jahren ermittelte die EU-Antikorruptionsbehörde OLAF gegen die Stiftung. Die PP und die Regierung Aznar unterstützten bereits 2002 den venezolanischen Putschisten Pedro Carmona Estanga, nachdiem dieser den rechtmäßigen Präsidenten Hugo Chávez vom Militär festnehmen ließ.

Morales hält sich zur Zeit anlässlich des EU-Lateinamerika-Gipfels in Spanien auf. Seine Amtskollegen aus Venezuela und Cuba, Hugo Chávez und Raúl Castro, waren dem Treffen ferngeblieben. Sie ließen sich durch ihre Außenminister vertreten. Die drei Länder gehören der Bolivarianischen Alternative für die Völker unseres Amerikas (ALBA) an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »