Der kubanische Mader

Jul 29 • Geheimdienste, Kuba • 1128 Views • Keine Kommentare zu Der kubanische Mader

Néstor García Iturbe legt ein neues Who’s Who der CIA vor

Menschen sterben, aber in ihren Werken leben sie weiter, besonders dann, wenn andere ihrem Beispiel folgen. Das tat der kubanische Geheimdienst- und USA-Experte Nestor García Iturbe, als er sich entschied, ein aktuelles Who’s Who der CIA vorzulegen. Das Buch des Mitgründers der KP Kubas erschien 2011 im Verlag Ciencias Sociales.

Auf knapp 170 Seiten präsentiert der Universitätsprofessor und Doktor der Geschichtswissenschaft in alphabetischer Reihenfolge die Namen und Werdegänge von Angehörigen der US-amerikanischen Geheimdienste. Die Einträge beinhalten neben den Namen auch kurze Angaben zu den Lebensläufen, wobei neben der CIA auch andere Nachrichtendienste genannt werden. Des Weiteren berücksichtigt García Iturbe, ob die betreffende Person ein Beamter, ein Agent oder ein Mitarbeiter eines US-Dienstes war. Diese Angaben ergänzt der Fachmann mit einigen Informationen über diverse Einrichtungen der US-Intelligence Community und mit einer Liste von internationalen Organisationen, die den US-Geheimen unterstützend zuarbeiten. Dazu zählt er auch die CDU-nahe Konrad Adenauer Stiftung. Die Daten stammen aus dem Jahr 2010 und die Auswahl der genannten Geheimdienstler fokussiert sich auf die beiden Amerikas. Zwischenzeitlich hat der Verfasser seine Liste auch unter Rückgriff auf die Naming Names-Datenbank des Magazins GEHEIM aktualisiert und Anfang 2013 über das Internet verbreitet.

Mit diesem Buch folgt García Iturbe, wie er mehrfach betont, den Spuren des Geheimdienstexperten, Schriftstellers und Majors im Ministerium der Staatssicherheit der DDR, Dr. Julius Mader. Bis zur Zerschlagung der DDR 1989 waren seine Werke über die braunen Wurzeln des bundesdeutschen Geheimdienstapparates, das Leben des Kundschafters Richard Sorge und über die Machenschaften der CIA in millionenfacher Auflage in mehreren Sprachen übersetzt weltweit erschienen. 1968 legte Mader sein Opus „Who’s Who in CIA“ vor, in dem er 3000 Angehörige des US-Auslandsnachrichtendienstes in 120 Ländern aufführte.

Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des bundesrepublikanischen  Grundgesetzes gab es für den Verteidiger sozialistischer Positionen keinen Platz mehr in der sich neuordnenden politischen und literarischen Landschaft. Mader starb 2001, sein Archiv verschwand bis auf einen kleinen Rest spurlos und sein Werk geriet fast in Vergessenheit, bis sich García Iturbe seiner erinnerte.

(Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe des Magazin Geheim 28(2013)2:27)

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