Wie Israel Hitlers A-Bombe lieben lernte

Dez 4 • Geheimdienste, Lateinamerika • 849 Views • Keine Kommentare zu Wie Israel Hitlers A-Bombe lieben lernte

Atomwissenschaftler des NS-Regimes machten den israelischen Staat mit zur Atommacht

(Magin Geheim/Ingo Niebel) Als dieser Artikel entsteht, tagt in Berlin das prozionistische Bündnis „Stop The Bomb“. Das Begehren der US-amerikanischen, deutschen und israelischen Teilnehmer richtet sich nicht gegen die israelische A-Bombe, kann es ja auch nicht, weil es diese nach offizieller Tel Aviver Lesart überhaupt nicht gibt. Zwar weiß alle Welt, daß der zionistische Staat eine Atommacht ist, aber die tonangebenden westlichen Mächte des Planeten skandalieren lieber im Einklang mit Israel die Atompolitik des Irans. Die Islamische Republik gewährt im Gegensatz zu Israel internationalen Beobachtern Zugang zu ihren Anlagen und erteilt gegenüber der UNO Auskunft über die Tätigkeit ihrer Wissenschaftler. Da sich die Regierung von Mahmud Ahmadinedschad weigert, sich dem Diktat des Westens zu beugen, stehen sie und ihr Land alleine am Pranger der internationalen Anti-Atom-Phalanx, in der just die größten Nuklearmächte das Sagen haben. Die Presse des Westens sekundiert mit einer tendenziösen Berichterstattung, so dass der Eindruck entsteht, als ob der Iran die einzige Atommacht im Mittleren Osten wäre.

Das wiederum passt zur Vertuschungspolitik, mit der die israelischen Regierungen ihr Atomprogramm nebst den dazugehörenden Bomben tarnen. Das Verheimlichen geschieht nicht nur aus Gründen der militärischen Sicherheit oder um der Umweltschutzbewegung keine Argumente zu liefern, sondern auch aufgrund der politischen Hygiene: Die Ursprünge der israelischen Bombe sind nicht ohne die Hilfe deutscher Wissenschaftler zu erklären und die hatten schon unter Hitler damit begonnen, dem „Führer“, Reichskanzler und Judenmörder eine A-Bombe zu bauen. Es gibt mittlerweile ernstzunehmende Hinweise, dass es ihnen 1945 tatsächlich gelang, in Thüringen einen ersten nuklearen Sprengsatz zu zünden. Ihre Opfer waren Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, darunter wahrscheinlich auch Menschen jüdischen Glaubens. Das darf aber nicht sein, weil es zum einen das bestehende Geschichtsbild in Frage stellt, die wissenschaftliche Forschung zu Korrekturen nötigt und auch politisch einen verheerenden Flurschaden anrichten würde. Denn wenn es so wäre, dann könnten sich die oben genannten „Bomben-Stopper“ einer unbequemen Frage nicht mehr entziehen: Zogen der Staat Israel und seine Atomindustrie einen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Nutzen aus dem vielleicht ersten „nuklearen Holocaust“?

Die Hinweise auf die Zusammenarbeit zwischen Nazi- und israelischen Wissenschaftler finden sich in Argentinien. Ausgerechnet der Organisator der nationalsozialistischen Judenvernichtung, SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, brachte die Journalistin Gaby Weber auf die Spur, die verschiedene Ereignisse der Geschichte in Frage stellt.

Eichmanns Ende in Südamerika

Was wissen Sie über Adolf Eichmann? Dass der Nazi-Massenmörder nach Argentinien flüchtete, dort für Mercedes und den westdeutschen Bundesnachrichtendienst (BND) tätig war sowie 1960 vom israelischen Geheimdienst nach Tel Aviv entführt wurde, wo er 1962 am Strang endete? Dann liegen Sie richtig. Das ist die Version, wie sie in den Fach- und Geschichtsbüchern steht. Aber stimmt sie auch?

Gaby Weber, die in diesem Bereich recherchiert und publiziert hat, wollte mehr wissen. Deshalb verlangte sie Einsicht in deutsche Akten. Besonders interessierte der entsprechende Bestand des BND und des Bundeskanzleramtes, der sich bereits im Geheimarchiv des Bundesarchivs befindet. Bei ihre Anfrage auf Akteneinsicht legte sie folgende Forschungsfelder fest: „Adolf Eichmann in Argentinien im weitesten Sinne“, „deutsch-israelische Zusammenarbeit bis zum Jahr 1960 (einschließlich) auf nuklearen Gebiet“ und „Forschung deutscher Staatsbürger über rüstungsrelevante Themen nach dem Zweiten Weltkrieg in Argentinien“.

Eigentlich sollte man meinen, dass der Fall Eichmann knapp 50 Jahre nach seiner Exekution kein Thema mehr wäre. Weit gefehlt. Im September 2009 ließ das Bundeskanzleramt, dem der BND untersteht, 3400 Seiten Aktenmaterial sperren. Als Begründung hieß es, die darin enthaltenen Informationen seien „nach wie vor schutzwürdig“. Außerdem gebe es „übergeordnete Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland“ und „Belange der Zusammenarbeit mit anderen ausländischen Stellen“. Des Weiteren bezog sich die Behörde auf den „Informantenschutz“ und „Persönlichkeitsrechte“. Fast 65 Jahre nach Kriegsende und im 61. Jahr ihrer Existenz bleibt die Bundesrepublik Deutschland ihrer Tradition treu und schützt weiterhin die Faschisten.

Brisante Erkenntnisse

Mittlerweile ist bekannt, dass der BND und der US-Auslandsgeheimdienst CIA spätestens seit Ende der 50er Jahre wussten, dass sich Eichmann in Argentinien aufhielt. Trotzdem oder gerade deswegen unternahmen sie nichts, obwohl der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nach dem SS-Massenmörder fahnden ließ. Das Exempel zeigt wieder einmal, dass sich Geheimdienste auch in einer westlichen Demokratie nicht kontrollieren lassen und die Justiz behindern. Eichmann arbeitete in Buenos Aires für Mercedes Benz. Sein dortiger Boss war William Mosetti, einst Österreicher wie er, der aber nach einer Zwischenstation als Italiener und Mitglied des faschistischen Geheimdienstes schließlich als Agent des US-Geheimdienstes den Zweiten Weltkrieg erlebte und auch eine Führungsposition in der US-Ölfirma Standard Oil einnahm. Letztere machte gute Geschäfte mit den Nazis, während GIs ihre Gesundheit und ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas liessen, um den Kontinent vom Faschismus zu befreien.

Dass Eichmann bei dem Automobilhersteller eine Arbeit fand, erklärt sich unter anderem damit, dass die deutsche Industrie und Wirtschaft bereits 1943 wußte, dass sie den Krieg verloren hatte. Mit einem kleinen Kreis der SS bereitete sie spätestens ab August 1944 die Evakuierung von Know-How, Personal und Kapital ins sichere Ausland. Dazu zählten neben der Schweiz als Geldwasch- und -parkanlage in erster Linie die faschistischen Staaten Spanien und Argentinien. Letzteres stand unter Kontrolle des Machthabers Juan Perón, der das deutsche Potential im Rüstungsbereich nutzen wollte, um sein Land als Regionalmacht in Südamerika zu etablieren. Das sollten in erster Linie die deutschen Atom- und Luftfahrtwissenschaftler bewerkstelligen.

Die planvolle Verlegung von Menschen, Material und Wissen nach Argentinien erwies sich als richtig, als nach 1945 der deutschen Industrie verboten wurde, auf heimischen Boden an der Entwicklung von atomaren, bakteriologische und chemischen Waffen zu arbeiten. Die Richtigkeit der 1943/1944 getroffenen Entscheidung wurde Ende der 50er Jahre noch sichtbarer, als die Franzosen auf Druck der US-Amerikaner die nukleare Zusammenarbeit mit den Israelis einstellen mussten. Damals hatte Washington überhaupt kein Interesse daran, dass aus Israel eine Atommacht würde. Aus Paris kam der Hinweis an Tel Aviv, man möge es doch mal mit den Deutschen in Bonn versuchen.

1955 war der bayerische Rechtsaußen Franz-Josef Strauß (CSU) unter Konrad Adenauer Atomminister geworden und forcierte in den folgenden Jahren auch die atomare Bewaffnung der Bundeswehr. „Das deutsche Parlament hatte die atomare Bewaffnung Deutschlands beschlossen – was übrigens nie zurückgenommen wurde, aber darüber redet man hier nicht gerne“, unterstreicht Weber. Aber die entsprechende Forschung musste im Geheimen geschehen. Daher forcierte Bonn zusammen mit Paris die Bildung der Atombehörde EURATOM 1957.

In diese Gemengenlage mischte sich das Interesse Israels, sich die A-Bombe zu beschaffen. Mit den Verhandlungen befasst, war der heutige israelische Staatspräsident Shimon Peres. Zwei Tage vor dem „Verschwinden“ Eichmanns in Buenos Aires,unterzeichnete er mit den Argentiniern ein Abkommen über den bis dato verbotenen Export von Uran. Ab Anfang der 1960er Jahre kam es zum Dreiecksgeschäft zwischen Bonn, Buenos Aires und Tel Aviv. Das Ergebnis fasst Weber so zusammen: „Die Technologien bekam Israel von den Franzosen und den Deutschen, das schwere Wasser kam aus Norwegen und das benötigte Uran kam in der Anfangszeit größtenteils aus Argentinien.“ Den Transport des strahlenden Materials von Südamerika in den Nahen Osten übernahm die deutsche Firma Nukem, eine Tochter der Degussa. Letztere hat die Vernichtungspolitik der Nazis mit der Produktion des Giftgases Zyklon B unterstützt. Dadurch wurde die SS in die Lage versetzt, in einer industriell effizienteren Weise als die bis dato praktizierten Massenhinrichtungen Tausende von Menschen in kürzester Zeit zu ermorden. Auch das störte das offizielle Israel nicht. Im Gegenteil. Gaby Weber mutmaßt im Interview mit Jens Berger: „Ich glaube nicht, dass dies von deutscher Seite freiwillig geschah. Ich habe bereits die Firmen Degussa und ihre Tochter Nukem erwähnt. Firmen wie Degussa haben sich unter anderem durch die Produktion von Zyklon B schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Israel hat sich mit Kritik an diesen Unternehmen immer sehr zurückgehalten und hat dafür Wiedergutmachung bekommen. Ich vermute daher, dass diese Zusammenarbeit nicht freiwillig vonstatten ging.“ Vergleichbar nachsichtig ging der Staat der Holocaust-Überlebenden auch bei der Zusammenarbeit mit Hitlers A-Bombenbauern um.

Hitlers A-Bombe und ihre Einsatzfähigkeit 1945

Bis 2005 galt unangefochten die Behauptung der deutschen Atomphysiker Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker, sie hätten niemals eine Atombombe für Hitler gebaut. Deshalb hätten sie schon 1942 dafür gesorgt, dass entsprechende Projekte verzögert wurden. Dann erschien in der Deutschen Verlags-Anstalt die Studie von Rainer Karlsch zu „Hitlers Bombe“. Seitdem kann die Behauptung der beiden Koryphäen der deutschen Atomwissenschaft nicht mehr unwidersprochen im Raum stehen. Der Geschichtswissenschafter beendet anhand einer akribischen Beweisführung den Mythos vom Unwillen und von der Unfähigkeit der deutschen Atomwissenschaft, Hitler mit der gewünschten Bombe auszustatten. Der Autor belegt mittels Zeugenaussagen, dass die deutschen Wissenschaftler mindestens einmal einen atomaren Sprengsatz zur Explosion brachten. Das geschah am 3. März 1945 abends auf dem Thüringischen Truppenübungsplatz Ohrdruf. 1962 gab eine Augenzeugin zu Protokoll, dass „ein greller, innen rötlicher und außen gelblicher Lichtblitz die Landschaft erhellte“. Die Rauchsäule nahm die Form eines Baumes an. Noch Tage später klagten die Bewohner der angrenzenden Dörfer „über Nasenbluten, Kopfschmerzen und Übelkeit“. Ein weiterer Augenzeuge berichtet, wie seine Firma von der SS den Befehl erhielt, alles Bauholz zu einem bestimmten Platz nach Gut Ringhofen bei Mühlberg zu bringen. Unter Vollschutz mussten er und „unsere Häftlinge“ mehrere Scheiterhaufen errichten. Es sollen um die 14 Feuerstellen gewesen sein. Auf jeder wurden bis zu 50 Leichen verbrannt. „Die Menschen hatten alle absolut keine Haare mehr, teils fehlten Kleidungsteile, sie hatten aber auch zum Teil Hautblasen, Feuerblasen, nacktes rohes Fleisch, teilweise waren einige (Körper-)teile nicht mehr vorhanden“, erinnert sich der Zeuge. Wieder auf dem Gut mussten er und seine Helfer sich komplett ausziehen, duschen und neu einkleiden. Die alte Kleidung wurde verbrannt. Am Tag darauf ging es noch einmal auf den Platz am Waldrand, um weitere Scheiterhaufen zu errichten. „Dabei sahen wir, wie aus dem Wald einige völlig entstellte Lebewesen angekrochen kamen. Wahrscheinlich konnten einige nichts mehr sehen. Ich kann es auch heute nicht beschreiben. Von zwei SS-Leuten wurden diese ca. zwölf bis fünfzehn Menschen sofort erschossen.“ Die Berichte bestätigte seinerzeit ein Spion der sowjetischen Militäraufklräung GRU. Unter den Toten sollen sich auch SS-Leute befunden haben. Karlsch geht von 450 bis 750 Toten aus.

Der Vertuschungsaktion wurde von keinem geringeren als dem SS-Gruppenführer Hans Kammler geleitet. Innerhalb des Totenkopf-Imperiums von „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler war der Offizier seit 1943 für die Raketen- und Nuklearforschung verantwortlich. Die SS kontrollierte die Forschung und den Bau unterirdischer Fertigungsanlagen, wie zum Beispiel im KZ Mittelbau Dora im thüringischen Nordhausen. Etliche Tausend Arbeitssklaven aus den KZs liessen dabei ihr Leben. Zum Zeitpunkt der Explosion befand sich Kammler in Ohrdruf. Nach offizieller Lesart nahm er sich bei Kriegsende das Leben. Das bezeugen aber lediglich seine SS-Kameraden.

Für Karlsch steht fest: „Im März 1945 wurde mindestens ein Nukleartest mit dem Ziel einer Waffenentwicklung durchgeführt.“ Die „Wunderwaffe“ kam in Deutschland nicht mehr zum Einsatz. Den ersten atomaren Angriff der Geschichte flog die US-Luftwaffe am 6. August 1945 auf die japanische Stadt Hiroshima.

In Deutschland hielten sich die involvierten Waffentechniker bedeckt: sie mussten befürchten wegen des atomaren Holocaustes an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen juristisch belangt zu werden. Im Angesicht des drohenden Galgens zogen sie es vor zu schweigen.

Nach Erscheinen von Karlschs Buch beeilte sich auch die Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) das Thema ganz schnell zu beerdigen. Am 17. Januar 2006 meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Physikalisch-Technisches Bundesanstalt (PTB) habe keine Proben gefunden, die die Behauptung des Historikers bestätigen. Die Tageszeitung Die Welt hatte bereits im März 2005 – vor Erscheinen von Karlsch Werk – „Zweifel an der ‚Nazi-Bombe'“ angekündigt. Der FAZ-Artikel endet sicherheitshalber mit der Feststellung der PTB: „Eine endgültige Bewertung der von Karlsch dargestellten historischen Zusammenhänge sei aber nach wie vor offen.“

Damit steht zumindest nach außen hin die alte Lehrmeinung von der deutschen Unfähigkeit, die Bombe zu bauen, wieder auf ihrem Sockel. Das dient dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland im allgemeinen sowie dem der deutschen Atomforschung und -industrie im besonderen, die sich andernfalls mit der Tatsache auseinandersetzen müsste, auch die ersten Meister des Atomtodes gewesen zu sein. Dass dieser Kelch an ihnen vorbeigegangen ist, dürfte auch die Politik in Israel gefreut haben, die sonst in moralische wie juristische Erklärungsnöte geraten wäre.

Israel nutzte Nazi-Know How beim Atombombenbau

Im Gespräch mit dem Online-Magazin telepolis erklärt Gaby Weber:

„Mir ist von Seiten der argentinischen Atomkommission bestätigt worden, dass die deutschen Forscher in Argentinien Plutonium isoliert haben – zwar nur im Labormaßstab, aber die Technologie wurde dort entwickelt. Ob das argentinische Militär heimlich selbst an einer Atomwaffe gearbeitet hat, was damals immer vermutete wurde, lässt sich nicht sagen. Es gab auf jeden Fall einen regen Austausch zwischen argentinischen und israelischen Forschungszentren. Aber auch Otto Hahn und sein Forschungszentrum in Göttingen tauschten sich später intensiv mit Israel aus.“

Im Interview mit der Berliner Tageszeitung junge Welt vom 11. Oktober 2008 sagt Weber:

„Kernforschung wurde in Argentinien an zwei Orten betrieben: zum einen in Tucumán, wo Eichmann anfangs wohnte. Dort arbeiteten viele Atomwissenschaftler aus dem Umfeld von Otto Hahn. Nach dem Putsch gegen Perón konzentrierte sich die Forschung auf Bariloche, dort wurde an der Herstellung von Plutonium gearbeitet. Die argentinische Atomkommission wurde von deutschen Wissenschaftlern mit aufgebaut, die schon an Hitlers-Uranprojekt gearbeitet hatten.“

Seinerzeit forderte US-Präsident John F. Kennedy, dass auch das israelische Atomforschungszentrum Dimona der internationalen Kontrolle unterzogen werden müsste. Die CIA machte Druck auf Argentinien und Brasilien, um den Technologietransfer mit Israel zu unterbinden. Nachdem Kennedy 1963 bei einem Attentat starb, änderte Washington seine Haltung gegenüber Tel Aviv. Es wird vermutet, dass Israel seit 1967 über die A-Bombe verfügt und mittlerweile 200 Stück besitzt – bar jeglicher Überwachung. „Aber die ersten Atombomben wären ohne dieses Dreiecksgeschäft nicht entstanden“, unterstreicht Weber.

Von der nuklearen Deutsch-israelischen Connection wusste auch Eichmann. „Der Organisator des Holocaust war in Argentinien verbittert geworden und gab Interviews. Es war eine Frage der Zeit, dass irgendwann einmal ein Journalist an seiner Haustür klingeln würde. Eichmann war zu einer Gefahr geworden, für seinen früheren Arbeitgeber, Standard Oil, für Israel, für andere“, schlußfolgert Weber. Der SS-Offizier führte 50 sehr lange Interviews mit seinem Nazi-Kameraden Willem Sassen, der versuchte sie zu verkaufen. Ihr Inhalt ist ebenso wenig bekannt, wie der der Verhöre, die die Israelis mit Eichmann in Uruguay führten, bevor sie ihn ins Heilige Land brachten. Trotz mehrfacher Anfrage verweigern auch israelische Stellen Weber die Akteneinsicht. Offensichtlich wusste Eichmann zuviel – über seine Ex-Kameraden aus der SS, die im Bonner Staat wieder Karriere machten; über das Nazi-Kapital, das im Ausland gebunkert war; über das nukleare Dreiecksgeschäft zwischen Bonn, Buenos Aires und Tel Aviv. Das Sicherheitsrisiko Eichmann musste weg.

Cui bono – Wem nutzt es?

Eichmanns Verschwinden nutzte in erster Linie den US-Amerikaner. Weber fand heraus, dass sich Buenos Aires just an jenem Tag, als die Israelis die Festnahme Eichmanns bekanntgeben, dem Diktat der USA in Sachen „friedlicher Nutzung der Atomenergie“ unterwerfen. Die Argentinier beenden damit ihre militärische Forschungen an der A-Bombe, wozu sie bekanntlich etliche Nazi-Wissenschaftler ins Lande geholt hatten. Washington verhindert so, dass sich im Cono Sur, im Südzipfel ihrer Westlichen Hemisphäre, eine regionale Atommacht etabliert, die die Hegemonie der Supermacht in frage stellen könnte.

Israel bringt die vorgebliche Entführung zunächst einmal eine Menge diplomatischer Scherereien, weil damit die Souveränität eines fremden Staates und somit das Völkerrecht verletzt wurde. Der Preis wird aber gezahlt, weil zum einen aus dem folgenden Eichmann-Prozeß, der ja zurecht stattfindet, politisch wie moralisch ein Vorteil und Nutzen erwächst. Zum anderen dient das Gerichtsverfahren, um dahinter das eigene Atomprogramm voranzutreiben. Ironie der Geschichte: Der SS-Mörder bezahlt seine Taten als Bauernopfer politischer, militärischer wie wirtschaftlicher Interessen, die ihn als entbehrlich erachten.

Der israelische Geheimdienst Mossad macht aus der vorgeblichen „Entführung“,die Weber in ihren Werken faktenreich als „Übergabe“ entlarvt, einen Mythos, der bis heute anhält. Drei Bücher von Mossad-Agenten, die an der Aktion beteiligt waren, und etliche Filme bilden den publizistischen Schutzwall. Der schützt vor kritischen Nachfragen. Der Mythos der Eichmann-Entführung soll auch dafür sorgen, dass der Westen und Israel mit ihrer aktuellen Heuchelei in Sachen militärischer Nutzung der Atomforschung ihren Angriff auf den Iran weiter vorantreiben können.

 

Weiterführende Literatur

Gaby Webers Homepage mit interessanten Dokumenten: http://www.gabyweber.com/

Weitere Artikel von Weber zu Eichmann finden sich auf Labournet: http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/ar/eichmann.html

Weber, Gaby. Adolf Eichmann und William Mosetti –

Wie und warum wurde Eichmann aus Argentinien entführt? Von Gaby Weber. Radiofeature SWR2, 18.1.2007

Berger, Jens. Das atomare Dreiecksgeschäft. Telepolis, 16.01.2009

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29523/1.html

Karlsch, Rainer. Hitlers Bombe. München: DVA, 2005

(Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe des Magazin Geheim 24(2009)4:11-13)

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