Drehbuch für die royale Seifenoper

Jun 13 • S.I.D. - Spain is different • 2459 Views • Keine Kommentare zu Drehbuch für die royale Seifenoper

Die Rochade im spanischen Königshaus ähnelt immer mehr einem Mix aus „Games of Thrones“ und „24“. Der Palast hat gerade neue Details zur royalen Seifenoper in Echtzeit serviert. Entweder wird daraus ein Quotenschlager oder die Monarchie wird aus dem Programm genommen. Die Borbóns liefern den Republikanern weitere Argumente für ihre Absetzung frei Haus.

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Die alten spanischen Pesetenmünzen zeigen, dass der faschistische Diktator Franco (li.) dem späteren König Juan Carlos seinen Platz als Staatsoberhaupt vererbte. (c) Ingo NIebel

Im Gegensatz zum Erfolgsroman „Games of Thrones“ bedarf es keiner gehörigen Portion Gewalt gemischt mit Bosheit, Ehrgeiz und Neid, damit es ab dem 18. Juni nicht weniger als zwei spanische Königspaare gibt, sondern es reicht eine Entscheidung der „Familia Real“. Die hat mal eben entschieden, dass der noch amtierende König Juan Carlos I. seinen Titel ebenso behält wie Gattin Sofía, wenn er am Abend des 18. Juni sein Abdankungsgesetz unterschreibt.
Die rechtliche Grundlage? Die politische Legitimation?
Also wirklich, im „Spain is different“ müssen die Borbonen sich mit solchen Petitessen nicht abgeben. Sie sagen einfach, wer von der Familie am 19. Juni um 10 Uhr zur Königsproklamation im spanischen Parlament vorfährt und wie die Familienmitglieder protokollarisch korrekt anzusprechen sind. Basta! So einfach geht das.
Wer nicht kommen wird, ist König Juan Carlos I. Der Zarzuela-Palast ließ durchsickern, Seine Majestät wolle dem Sohnemann die Show nicht stehlen. Dass das Blödsinn ist, steht weiter unten im Protokoll, denn die beiden Königspaare werden gemeinsam dem „Volk“ vom Balkon des Palacio de Oriente zuwinken.
Dem faschistischen Diktator Francisco Franco hat dieser Platz auch immer gefallen, um Winkewinke zu machen und seiner Anhängerschaft zu erzählen, wie moralisch verkommen der Rest von Europa ist, ganz im Sinne von „Spain is different“. Dem „Caudillo“ verdanken Vater und Sohn Borbón ihre Arbeitsplätze an der Spitze des Staates und so machen sie in seinem Geiste weiter.
Das ist keine antispanische Polemik meinerseits, sondern man muss sich nur mal genau anschauen, wie die Rochade nächste Woche ablaufen wird.

Royale Farce

Sobald Juan Carlos sein Abdankungsgesetz unterschrieben hat, wird Felipe automatisch König, sprich: Staatsoberhaupt. Und das, obwohl das Gesetz erst in Kraft tritt, wenn es am 19. Juni im spanischen Generalanzeiger erscheint. Das heißt, Felipe wird König so oder so. Bevor er aber am Donnerstag um 10h zum Parlament fährt, muss er zuerst noch bei seinem Papa vorbei, damit dieser ihm die Schärpe des Oberbefehlshabers der Streitkräfte umlegt. Ergo Felipe de Borbón y Grecia betritt bereits als König und Oberbefehlshaber der Armee den Kongress. Der „Volksvertretung“ bleibt nichts anderes übrig, als die Entscheidung der Königsfamilie abzunicken. Eine Farce, die das Demokratieverständnis in Spanien widerspiegelt.

Der einzige Volksvertreter, der es gewagt hat diese als solche zu benennen, war der Abgeordnete Sabino Cuadra von der linken baskischen Unabhängigkeitskoalition Amaiur. Mit einem lauten „Hoch auf das freie Baskenland und die  baskische Republik“ verließen er und seine Mitstreiter die Debatte über das Abdankungsgesetz am Mittwoch.
Der royalen Farce setzt die Abwesenheit des Königs bei der Proklamation seines Sohnes noch eine ganz spezielle Krone auf. In welchem EU-Land ist es Usus, dass der scheidende Amtsinhaber der Einführung seines Nachfolgers fernbleibt? Wollen Juan Carlos und Sofía damit demonstrieren, dass ihre Ehe wirklich am Ende ist? Es ist ein offenes Geheimnis, dass König und Königin seit langem getrennt leben, wobei sie sich vorwiegend in London aufhalten soll.

Strafrei vergewaltigen

Eigentlich könnte Sofía von Griechenland am 19. Juni die Scheidung bei Gericht einreichen, denn eigentlich steht nur „der“ König über dem Gesetz. Jetzt gibt es aber derer zwei: ihren Noch-Gatten und den Sohnemann. Letzterer dürfte frei nach „Games of Thrones“ – und gemäß der spanischen Verfassung -, den Vater vom Balkon des Palacio de Oriente schmeißen, ohne dass man ihn dafür belangen könnte. Eine linke Abgeordnete des valencianischen Regionalparlaments drückte es etwas drastischer aus: „Felipe wird dich straffrei vergewaltigen können.“ Da bekommt der Begriff „Gewaltenteilung“ doch eine ganz neue Bedeutung.
Im Augenblick wagt die postfranquistische Regierung von Mariano Rajoy keinen Vorstoß, um den rechtlichen Status von Juan Carlos zu klären. Ein Gesetzesentwurf sieht bisher nur vor, der Königin, dem Thronfolger und den Mitgliedern der Königlichen Familie jene Art von Immunität zu gewähren, die etwa 10 000 Amts- und Mandatsträgern gerade genießen.

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