Fidel Castro: Einer, der niemals stirbt

Nov 26 • Kuba, Lateinamerika • 692 Views • Keine Kommentare zu Fidel Castro: Einer, der niemals stirbt

(berriak-news/Ingo Niebel) Fidel Castros Tod ist ausnahmeweise keine antikubanische Falschmeldung, sondern ein medizinischer Fakt. Und trotzdem lebt er fort.

Die Nachricht vom Tod des kubanischen Revolutionsführers hat Kubas Präsident, sein Bruder Raúl Castro, im staatlichen Fernsehen bestätigt. Diesmal stimmt sie also. Zuletzt hatten 2011 antikubanische Kreisen das Ableben des Revolutionärs vermeldet. In der vergangenen Nacht feierten sie in Miami und andernorts den Tod des Comandante. Damit stellten sie sich erneut ein politisches wie menschliches Armutszeugnis aus. Auch diese Schlacht hat Fidel für sich geschlagen. Die kubanische Revolution, die er angeführt und maßgeblich mitgestaltet hat, scheint doch einen neuen, besseren Menschen hervorgebracht zu haben: Als Führungsfiguren des antikubanischen Exils starben, gab es auf Kuba keine öffentlichen Freudestänze.

Fidel Castro und Hugo Chávez eröffnen 2006 die Internationale Buchmesse in Havanna. (c) Ingo Niebel

Fidel Castro und Hugo Chávez eröffnen 2006 die Internationale Buchmesse in Havanna. (c) Ingo Niebel

Heute strengen sich die Redaktionen traditioneller Medien des Nordens an, alle Missetaten des Barbudo aufzuzählen und die Probleme der Insel in den Vordergrund zu setzen. Spätestens zu Wochenbeginn werden die jetzt arbeitslos gewordenen Castrologen mit Prognosen über die Zukunft der kubanischen Revolution aufwarten. Morgenluft dürften dann auch jene Kreise wittern, die seit jeher von einem „Regime Change“ in der Form eines wie auch immer gearteten „kubanischen Frühlings“ träumen und demnächst wieder darüber öffentlich fabulieren werden.

Ihr Hauptproblem wird sein, dass Fidel zu jenen Toten gehört, die niemals sterben, wie man auf Spanisch zu sagen pflegt.

Er lebt zum einen in der kubanischen Revolution fort, deren Errungenschaften im Erziehungs- und Gesundheitswesen und auch bei der Selbstverteidigung gegen die Einmischung von Außen seit Anfang des Jahrtausends Menschen in Venezuela und Bolivien, Nicaragua und Ecuador geholfen haben, ihre eigene Revolution zu stabilisieren und abzusichern.

Fidel lebt zum anderen in den neuen regionalen Zusammenschlüssen weiter, allen voran ALBA und CELAC. Beide gehen auf seine enge Zusammenarbeit mit dem 2013 verstorbenen Comandante Supremo der Bolivarianischen Revolution, Hugo Rafael Chávez Frías, zurück. Fidel erkannte schon 1994 das politische und menschliche Potential des Venezolaners, der 1998 an der Wahlurne eine neue Art der Revolution in Lateinamerika und der Karibik einleitete. Gemeinsam bauten sie die Achse Caracas-Havanna zum Motor der lateinamerikanischen und karibischen Integration aus. So gelang es, dem Hegemoniestreben der USA in der Region zum ersten Mal seit dem 19. Jahrhundert fühlbar eine Grenze zu setzen und es auch ein Stück weit zurückzudrängen. Ein Erfolg dieser Emanzipation des Südens war, Kuba aus der außenpolitischen Isolation zu herauszuführen, mit der Washington vergeblich versucht hat, die kubanische Revolution zu vernichten. Die Normalisierung der Beziehungen mit den USA markiert letztendlich auch Fidels letzten Sieg über Uncle Sam, der seit 1959 kein Mittel gescheut hat, um ihn und die Revolución aus dem Weg zu räumen.

Darüber hinaus haben Chávez und Fidel zusammen mit Evo Morales, Daniel Ortega und Rafael Correa mit den politischen Mitteln des frühen 21. Jahrhunderts der Welt und besonders dem europäischen Norden nicht nur gezeigt, dass eine andere Welt möglich ist, sondern auch wie. Sie lehrten durch ihre Politik, dass jede Gesellschaft über eigene Mittel und Wege verfügt, um ihre drängendsten Probleme selbst zu lösen, ohne dass sie meist für teuer Geld unnütze Programme aus dem Norden importieren muss. „Keine Unabhängigkeit und keine Revolution ohne Sozialismus und ohne internationale Solidarität“, lautet eine weitere Maxime von Fidel Castro, die sein realexistierendes Kuba nach wie vor praktiziert.

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