Christian Lüth

Dez 13 • Lateinamerika • 1775 Views • Keine Kommentare zu Christian Lüth

Zersetzer aus der FDP ohne Vergangenheit aber mit Zukunft(Magazin Geheim/Ingo Niebel) Es gibt Menschen, deren Vergangenheit erst in der Gegenwart beginnt. Zu dieser Personengruppe gehört zweifelsohne der Projektleiter der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung (FNS) in Mittelamerika, Christian Lüth. Über seine Qualifikationen, die ihn für eine derartige Aufgabe befähigen, erfährt man nichts auf der Internetseite seiner Institution. Irgendwie oder irgendwas hat irgendjemanden veranlasst, Lüth für die FNS nach Tegucigalpa zu schicken.

In der Hauptstadt von Honduras legte der FDP-Mann den Grundstein für seine Vergangenheit, indem er im Sommer 2009 den Putsch gegen den demokratisch legitimierten Präsidenten Manuel „Mel“ Zelaya, schönredete.
Damals kam auch heraus, dass FNS und FDP die parteiinternen Putschisten vor, während und nach dem Staatsstreich unterstützt haben. Wenn es das Ziel der Stiftung war, Zelaya zu stürzen und durch eine neoliberale Marionette zu ersetzen, so konnten sie ihren Triumph unter anderem bei einem Cocktail- Empfang in Lüths Residenz am 30. November 2009 feiern. Die Lokalpresse hielt das Ereignis in Bild und Text fest. Nebenbei erwähnte sie, dass neben deutschem Botschaftspersonal auch die Leiter der Internationalen und Lateinamerika-Abteilung der FNS, Harold Klein und Ulrich Wacker, und der Sprecher der Internationalen Liberalen, Roger Albinyana, anwesend waren. Sollte es aber das Ziel der liberalen Wühlarbeit gewesen sein, einen Liberalen ins Präsidentenamt zu hieven, muss die Operation als gescheitert angesehen werden: Der neue Präsident, Porfirio Lobo, ist ein Mann der CDU-nahen Konrad Adenauer Stiftung (KAS) und Washingtons. Dass letzteres nicht unbedingt ein Problem für FDPler darstellen muss, belegt spätestens die von Wikileaks ausgelöste „Maulwurf“-Affäre in Berlin. Es bleibt abzuwarten, ob weitere US-Dokumente, Hinweise auf eine Kooperation zwischen der FNS und US-Stellen in Zentralamerika liefern werden.
Fest steht, dass die Wühlarbeit, die die FNS in Honduras betrieben hat und seit Ende 2009 verstärkt in Nicaragua fortsetzt, einst eine Domäne der Geheimdienste war. Dass sich die Schlapphüte aus diesem Metier auf eine sicherere Position zurückgezogen haben, von wo aus sie beobachten, steuern und gegebenenfalls mit ihren eigenen Mitteln eingreifen können, hat mit Erfahrungen aus der Vergangenheit zu tun: Ein aufgeflogener Agent konnte die von ihm geführte „zivilgesellschaftliche Oppositionsgruppe“ kompromittieren. Diese ist aber gegen den Vorwurf der „geheimdienstlichen Zusammenarbeit mit einer fremden Macht“ geschützt, wenn sie „nur“ mit einer Stiftung oder einer NGO zusammenarbeitet. Letztere werden so zu den Fusstruppen, die an der vordersten politischen Front kämpfen, unmittelbar gesteuert von den Stiftungen, die ihre Arbeit mit ihren und den ausländischen Regierungen und deren Ministerien abstimmen. Aus sicherer Entfernung können Dienste das Geschehen verfolgen und es notfalls auch mit Spezialoperationen beeinflussen.
Wichtig ist dabei, dass die Stiftungen und NGOs über Experten verfügen. Ob deren Vergangenheit bekannt ist oder nicht, ist solange karriereförderend und eintragreich, bis sie zu einer Belastung wird.
Da mit Honduras der Putsch als Mittel der US-amerikani- schen und auch deutschen Lateinamerika-Politik wieder hoffähig wurde, um ALBA-Regierungen zu stürzen, haben auch Zersetzer ohne Vergangenheit eine Zukunft vor sich.

(erschienen in GEHEIM 25(2010)4:28)

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