Israeli Connection

Okt 6 • Geheimdienste, Lateinamerika • 819 Views • Keine Kommentare zu Israeli Connection

Antisemitismus-Debatte soll von israelischer Unterstützung für die Putschisten in Honduras ablenken
Wenn es einen Nobelpreis für Bärendienste gäbe, dann hätte ihn der honduranische Journalist David Romero verdient. Der Chefredakteur von Radio Globo produzierte Ende September mit seinem Holocaust-Zitat jene Munition, die der rechte Putschpräsident Roberto Micheletti und seine Unterstützer dringend brauchten. Nach der überraschenden Rückkehr des legitimen Staatsoberhaupts Manuel „Mel“ Zelaya nach Honduras Ende September und der Schließung von Radio Globo und Canal 36 waren die Putschisten in der Defensive. Hinzu kam, dass die Hilfestellung israelischer Söldner und privater Sicherheitsfirmen bei der Niederschlagung der Widerstandsbewegung zum Thema wurde. Und dann sprach Romero.

In einem per Youtube verbreiteten Audio-Mitschnitt (den jemand mit Photos aus Nazi-Deutschland bebildert hat) sagte eine Stimme, die die von Romero sein soll:

„Manchmal frage ich mich, ob Hitler im Endeffekt nicht doch Recht hatte, mit dieser Rasse durch den berühmten Holocaust ein für allemal Schluss zu machen; man hätte Hitler gewähren lassen sollen, damit er seine historische Mission erfüllt; wenn es Leute gibt, die uns in diesem Land Schaden zufügen, dann sind das die Juden, die Israelis“.

Die israelische Tageszeitung Haaretz meldete am 7. Oktober 2009 unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Associated Press: „Romero entschuldigte sich später für die Bemerkung. Er sagte, es sei ‚dumm‘ gewesen und er hätte sie in der Hitze des Augenblicks gemacht. Sie würde nicht seinen wirklichen Standpunkt wiedergeben. Er sagte, dass sein Großvater ein jüdischer Emigrant aus der Tschechoslowakei war, der vor der Verfolgung in Europa nach Honduras geflüchtet sei“. Romeros Entschuldigung nützte wenig. Die deutsche Tageszeitung Die Welt, ein Sprachrohr der Putschisten und ihrer Helfershelfer von der FDP, titelte am 5. Oktober: „Antisemitische Töne in Zelayas Kampagne“. Prozionistische Kreise nutzten Romeros Fehltritt, um die Solidaritätsbewegung zu spalten und im Sinne der israelischen Außenpolitik, Front gegen Venezuela zu machen. Sie brachten die Äußerung in Verbindung mit einem Angriff auf die Synagoge in Caracas Anfang des Jahres. Das passt – auch wenn es nicht stimmt – ins Zerrbild vom angeblichen „Antisemiten“ Hugo Chávez, an dem hierzulande Christdemokraten und Zionisten gleichermaßen basteln (GEHEIM berichtete).

Eine tiefergehende Betrachtung des Antisemitismus in Lateinamerika ist sicherlich vonnöten. Aber dann würden in erster Linie die dort noch sehr mächtige Katholische Kirche in den Mittelpunkt rücken und somit auch jene Rechtskreise, die sich vor siebzig Jahren von der Nazi-Politik vereinnahmen liessen. Die Recherche würde sehr rasch zur CDU/CSU und deren Unterstützung für faschistische Diktatoren wie Augusto Pinochet führen. Das liegt aber weder im Sinne der regierenden Kräfte in Berlin noch derer in Tel Aviv. Letztere hoffen, dass die Debatte über Romeros Äußerungen den Blick auf die Rolle Israel in Zentralamerika nimmt und in eine andere Richtung lenkt.

Israelische Spezialisten in Honduras

In dem obengenannten Youtube-Clip spricht Romero auch von zwei israelischen Offizieren, die das honduranische Militär bei der Niederschlagung der Widerstandsbewegung beraten. Dass sich diese Passage nicht in der bürgerlichen Presse wiederfindet, ist selbstredend: Romeros Hinweis ist nur die Spitze eines Eisbergs, den niemand sehen möchte, weil er auch etliche Tote einschließt.

Seitdem das Militär am 28. Juni 2009 den rechtmäßigen Präsidenten Zelaya aus seinem Amtssitz entführte und gewaltsam ins Ausland brachte, haben laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen die Machthaber etwa ein Dutzend Personen auf dem Gewissen. Die honduranische Polizei hat bisher zwei Tote zugegeben. Die Situation spitzte sich weiter zu, als Zelaya am 21. September überraschend nach Tegucigalpa zurückkehrte und in der brasilianischen Botschaft Asyl fand. Das Putschregime ließ das Gebäude umstellen. Die Polizei schoss Tränengas und andere chemische Mittel ins Gebäude und setzte neuartige „nicht-tödliche“ Waffen ein, damit Zelaya und seine Unterstützer das exterritoriale Gebiet verliessen. Dazu zählt auch eine so genannte „Schallkanone“, die im Fachjargon Screamer oder Longe Range Acoustic Device (LRAD) heißt. Die US Navy hat sie im Einsatz ebenso wie die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Eine „Schallkanone“ kam auch in Tegucigalpa zum Einsatz. Darüber berichtete am 24. September 2009 die honduranische Zeitung La Tribuna. Ihrem Bericht fügte sie ein aktuelles Photo bei. „Ohne eine tödliche Waffe zu sein, kann sie Krämpfe, Schwindelgefühle und schreckliche Kopfschmerzen auf viele Meter Entfernung hervorbringen“, heißt es dort. Ihr Einsatz „bedeutet einen signifikante Veränderung in den Taktiken gegen die Stadtguerilla“, schreibt La Tribuna. Der Artikel endet mit der Feststellung: „Dank der israelischen Armee besitzt jetzt Honduras diese Waffe, die eingesetzt wird, um die gewalttätigen Mitglieder der Resistencia zu neutralisieren“.

Das Blatt gehört dem ehemaligen Präsidenten Carlos Roberto Flores Facussé. Er zählt zu den zehn reichsten Familien des Landes. Außerdem führt Flores die Unternehmergruppe an, die den Putsch gegen Zelaya organisierte und unterstützte.

Zeitgleich berichtete der abgesetzte Präsident verschiedenen Medien von den Auswirkungen des Gas- und Schallangriffs auf ihn und seine Mitstreiter. „Hier sind Leute, die urinieren und Blut spucken“, betitelte die spanische Tageszeitung El País ein Gespräch mit Zelaya, das am 25. September erschien. Die Äußerungen des Präsidenten spielte das Blatt als herunter. Obwohl die Putschisten eindeutige Beweise für den Einsatz der Schallkanone geliefert hatten, verneinte der Polizeisprecher Orlin Cerrato im Gespräch mit dem antikubanischen Miami Herald deren Existenz: „Nein, wirklich nicht. Die einzigen Elemente, die die Botschaft umstellen, sind von Polizei und Militär und die haben einen solchen Apparat nicht“.

Mit dem Dementi reagierte das Regime auf die Medienoffensive des Widerstands. In New York hatte Zelayas Außenministerin Patricia Rodas am 24. September Ross und Reiter genannt, die sie neben Micheletti für den Angriff auf die brasilianische Botschaft verantwortlich machte. Die abgesetzte Chefdiplomatin erklärte, der in Honduras wohnhafte Israeli Yehuda Leitner habe Polizei und Militär über seine Firmen Alfacom und Interseg mit den chemischen Waffen und technischer Ausrüstung versorgt. Dazu gehörte neben dem LRAD-Gerät auch ein so genannter Handy-Jammer, der die Mobilfunkverbindung unterbrechen kann. So ein HighTech-Gerät hatten Zelayas Anhänger in einem Nebengebäude der Botschaft gefunden. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine so genannte C-Guard Unit, wie sie die israelische Firma NetLine Communications aus Tel Aviv herstellt.

Leitner soll das Material mit einem Privatflugzeug ins Land geschafft haben, erklärte Rodas weiter.

Mit der Wirkung der chemischen Kampfstoffe hatte sich im Auftrag der Zelaya-Ministerin der Spezialist für öffentliche Gesundheit, Mauricio Castellanos, befasst. Seine Proben nahm er etwa 300 Meter von der Botschaft entfernt, weil das Gelände großräumig abgesperrt war und er nicht vor Ort arbeiten durfte. Für die Untersuchung setzte er Geräte ein, die von der US-Behörde für Drogen und Lebensmittel (FDA) zertifiziert sind. Castellanos kam zu dem Ergebnis, dass Pfeffergas in höher Konzentration eingesetzt wurde. An den Folgen des Gaseinsatzes starb am 4. Oktober eine Studentin, die sich längere Zeit und öfters in dem umkämpften Gebiet aufgehalten hatte.

Tel Avivs verdeckter Krieg in Zentralamerika

Unmittelbar nachdem der Kampf um die brasilianische Botschaft ausbrach, machte Zelaya „israelische Söldner“ für die Angriffe verantwortlich. Der Vorwurf verhallte, ohne das Reaktionen darauf erfolgten. Entweder unterschlugen ihn die europäischen Medien oder sie gaben ihn bestenfalls als Zitat wieder. Spätestens nach Romeros Entgleisung ist er für sie vom Tisch und wird in die Schublade „lateinamerikanischer Antisemitismus“ gepackt. Damit ist das Thema aus der Öffentlichkeit, aber nicht aus der Welt und schon gar nicht aus der Erinnerung jener, die seit Jahrzehnten gegen den westlichen Imperialismus in der Region zu Felde ziehen. So erinnerte Jean-Guy Allard in einem Beitrag für die kubanische Internetseite cubadebate, dass man Yehuda Leitner und seine Tätigkeit im „schmutzigen Krieg“ der US-finanzierten Contra gegen das sandinistische Nicaragua und die honduranische Linke in den 80er Jahren nicht vergessen hatte. Die Fakten zeigen, dass Tel Aviv nicht erst seit der Präsidentschaft von Mahmud Achmadinedschad gegen das linke Lateinamerika zu Felde zieht, sondern schon in den 1980er dort aus ökonomischen und politischen Gründen aktiv war.

Israels Mann in Tegucigalpa

Yehuda Leitner ist ledig und gibt als Beruf den des „Sicherheitsingenieurs“ an. Laut Allard wohnt er in Tegucigalpa, wo man ihn in der Colonia El Prado, Calle Golan Nr. 2231, antreffen kann. Von dort aus steuert er die beiden Firmen Alfacom und Interseg, über die er sein Know How und HighTech „made in Israel“ vertreibt. Der honduranische Widerstand ist überzeugt, dass er direkten Zugang zu Micheletti und seinen Repressionsexperten hat. Diesen Eindruck bestätigte die israelische Webseite Ynet nach einem Gespräch mit Israels Konsul in Guatemala, der auch für Honduras verantwortlich ist. Demnach sind 25 Israelis in Tegucigalpa registriert und „sie arbeiten hauptsächlich für Sicherheitsfirmen oder im Agrarbereich“. Zu den Sicherheitsfirmen gehört auch die Interseg S.A., die wiederum mit Leitners Alfacom verbunden ist. Die US-Botschaft zählt die Filiale zu den vertrauenswürdigen Unternehmen dieser Branche in Honduras. In einer Selbstdarstellung im Internet gibt Alfacom an, sie existiere seit 1990 in dem Land und habe zwischen 150 und 200 Angestellte. Der US-Geheimdienstspezialist Wayne Madsen nennt sie eine „Frontfirma des Mossad“, des israelischen Geheimdienstes. Das Gründungsjahr von Alfacom fällt mit dem Machtverlust der Sandinisten in Nicaragua zusammen und passt zu Leitners Biographie.

Seine Tätigkeit in Zentralamerika reicht bis weit in die 1980er Jahre zurück. Damals stand er in Kontakt mit dem millionenschweren Drogenschmuggler und CIA-Mann Gerard Latchinian. Mit dem Drogengeld finanzierte der US-Auslandsgeheimdienst CIA einen Teil seines „schmutzigen Krieges“ gegen Nicaragua und gegen Kuba. Das ging als der so genannte Iran-Contra-Skandal in die Geschichte ein. Darüber hinaus versorgte Latchinian die Killer der CIA, Felix Rodríguez und Luis Posada Carriles, mit Waffen für ihre Anschläge gegen das sozialistische Kuba. Carriles lebt unbehelligt in den USA, obwohl Caracas und Havanna seine Auslieferung beantragt haben. Sie bezichtigen den Exilkubaner des Anschlags auf eine kubanische Verkehrsmaschine. Die Explosion tötete 1976 73 Menschen. Carriles rühmte sich des Attentats, aber seine guten Verbindungen zum ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush, der in den 70er Jahre die CIA leitete, schützen ihn vor der Justiz. Als Bush dann Vizepräsident unter Ronald Reagan wurde, war er mitverantwortlich für den verdeckten Krieg gegen die Sandinisten. Diesen führte die CIA am US-Kongress vorbei ab 1979 mit Geldern aus geheimen Waffendeals mit der Islamischen Republik Iran und aus dem Drogenhandel. Dabei operierten Rodríguez und Carriles immer an entscheidender Stelle.

Israelische Söldner in Honduras

Als Aufmarschgebiet gegen Nicaragua und Etappe für die antisandinistische Contra wählte die CIA Honduras aus. Neben US-Spezialisten und Söldnern griff Washington auch auf Experten aus Israel zurück. Einer von ihnen war Yehuda Leitner. Dieser trat als Vertreter der Firma ISDS auf. Hinter der Abkürzung verbirgt sich International Security and Defense Systems, eine Sicherheitsfirma mit Sitz in Tel Aviv. Über sie schreiben Ed Herman and Gerry O’Sullivan in ihrem 1989 erschienenen Buch „The „Terrorism Industry“, dass der Eigentümer von ISDS der ehemalige Oberst der IDF, Leo Gleser, war. Der Militär gehörte jener Kommandoeinheit an, die 1976die entführte ELAL-Maschine auf dem Flughafen von Entebbe (Uganda) gewaltsam befreite. Als Dienstleistung offerierte die ISDS Personenschutz für Geschäftsleute und Regierungsmitglieder an sowie die Ausbildung von „Anti-Terror-Einheiten“. Die Tätigkeit in Honduras und Guatemala ist seit Ende der 1980er Jahre bekannt.

ISDS trainierte Todesschwadrone

Herman und O’Sullivan beschrieben seinerzeit sehr detailliert die Tätigkeit von ISDS in Mittelamerika. So nennen sie unter anderem einen Brief vom 30. April 1985, in dem der Leiter des Guatemala-Abteilung von ISDS, Sammy Sapyr, seine Firma sehr detailliert einem guatemaltekischem Militär vorstellte. Zur Angebotspalette gehörten Training und Ausbildung von „Anti-Terror-Einheiten“, die Belieferung mit Spionagetechnik und Waffen. Dazu zählte auch die Lieferung von Hubschraubern und Flugzeugen. Der US-Journalist Jon Lee Anderson schrieb 1989, dass die ISDS auch einen Kurs in „selektivem Terror“ anbot, der sich an das Militär Guatemalas richtete. Herman und O’Sullivan resümierten, dass in Guatemala „alle ISDS-Dienste im Namen der „Terrorabwehr“ den wirklichen Staatsterrorismus ermöglichten“. Das Land befand sich seit 1960 im Bürgerkrieg. Bis zu dessem formellen Ende 1996 würden 200.000 Menschen sterben. In den 80er Jahren nahm der innenpolitische Konflikt die Züge eines Völkermords an. Allein im September 1982 ließ der Militärdiktator, General Efrin Ríos Montt, 9000 Indigenas ermorden. Inwieweit die ISDS und ihre Angestellten dafür mitverantwortlich sind, muss an anderer Stelle geklärt werden.

Mittels Mord, Entführung und Folter von Linken gelang es damals den USA und ihren Helfershelfern, den Linksturn in Honduras zu verhindern und das Land als Aufmarschgebiet gegen Nicaragua zu sichern. Mit von der Partie waren die Israelis.

Der CIA-Mann Latchinian, der Ende der 80er Jahre eine 30jährige Haftstrafe in den USA absaß, erzählte, dass die ISDS in Honduras neben den US-unterstützten Contras auch eine staatliche Todesschwadron ausbildete. Die Einheit nannte sich Bataillon 3-16 und, unterstand dem General Gustavo Álvarez Martínez. Für diesen Job heuerte Gleser zwei ehemalige IDF-Offiziere an: Yehuda Leitner und Emile Sa’ada. José Valle López, der dem Bataillon 3-16 angehörte, gestand die Teilnahme an Entführungen, Folterungen und Morden. An den Foltersitzungen nahm auch ein „Mister Mike“ von der US-Botschaft teil, der die Verhöre überwachte.

Die Präsenz von ISDS in Honduras wurde publik, als Álvarez seinen Posten räumen musste. Sein Nachfolger, General Walter López Reyes, berichtete Anderson, dass er die Verbindungen zu den Israelis beendete. Der Soldat gestand auch, dass die Kurse in Geiselnahme und Entführung für die Militärs nur als Tarnung dienten, um die Contras in diesen Techniken auszubilden. Das geschah laut López in Koordination mit der CIA.

Offiziell wurde die Todesschwadron 1987 per Präsidialdekret aufgelöst. Aber ein weiteres Dokument aus der Präsidialkanzlei beweist das Gegenteil: 3-16 bestand fort. Das Präsidentenbulletin Nr. 2599 mit Datum 7. September 1988 erwähnt einen Bericht der Zollverwaltung von El Amarillo. Darin heißt es, in dem Bezirk gebe es keinen Schmuggel, weil „sogar Angehörige des Bataillons 3-16 den Grenzsektor überwachen“.

Der angeblichen Auflösung der Todesschwadron geht Leitners Flucht 1986 voraus. Sie war die Reaktion auf einen Bericht der Reuters-Korrespondentin Anne-Marie O’Connor über die Verbindung des Israelis zur Contra. Zuvor war es den Sandinisten gelungen, ein Contra-Flugzeug abzuschiessen. Dabei geriet der Pilot, Eugene Hagenfus, in Gefangenschaft. Im Verhör packte der US-Söldner aus. Später fand die Buchautorin Jane Haapiseva-Hunter heraus, dass für die Logistik der Contra in Honduras Latchinian verantwortlich war. Zu seinem Stab gehörten Leitner und Sa’ada. 1984 flog Latchinian auf, als er Kokain im Wert von 10 Millionen US-Dollar auf den Markt bringen wollte, um damit den Sturz des honduranischen Präsidenten Roberto Suazo Córdova zu finanzieren.

Den Kontakt nach Washington zum damaligen US-Vizepräsidenten Bush und dem Kopf des Iran-Contra-Skandals, Oliver North, hielt Félix Rodríguez. Ihm gelang es auch, 1984 die Flucht von Posada Carriles aus einem venezolanischen Gefängnis zu arrangieren. Die beiden Antikubaner betrieben einen regen Waffen- und Drogenschmuggel, mit dem sie die Contra teilweise finanzierten. Rodríguez nannte eine Fluglinie namens Giro Aviation sein Eigen. Sie wurde für die Schmuggelaktionen eingesetzt. Auch die US-Antidrogenbehörde DEA wußte davon. Aber sie konnte nichts gegen Rodríguez unternehmen, da dieser auf der Gehaltsliste der CIA stand.

Auch Leitners Kollege Sa’ada zog damals das Medieninteresse auf sich. Er begründete seine Anwesenheit in Honduras damit, dass er dort als Melonenfarmer tätig sei. Sein Arbeitgeber, die israelische Firma Shemesh, würde 5000 Honduraner beschäftigen. Ein US-Militärberater berichtete Anderson, dass Shemesh der ISDS angehörte und erklärte weiter: „Die Israelis arbeiten immer über Tarnunternehmen“ und in Mittelamerika sei das „immer die Shemesh“ gewesen. Das bestätigte auch der Waffenhändler Carl Fehlandt, der zwischen 1982 und 1986 für ISDS in Guatemala tätig war. Shemesh/ISDS „ist der offizielle israelische Waffenladen. Der israelischen Regierung gehört der ISDS und der Mann, der dort das Sagen hat, ist der Verteidigungsminister“, zitieren ihn Herman und O’Sullivan.

„Einmal Geheimdienst, immer Geheimdienst“

„Einmal Geheimdienst, immer Geheimdienst“. Dass das Motto weiterhin gültig ist, belegt einerseits Yehuda Leitners Werdegang, andererseits der seines Spiessgesellen Latchinian. Der musste seine 30jährige Haftstrafe nicht absitzen. Nach 18 Jahren Gefängnis kam er frei. Bushs Sohn, George W., begnadigte ihn 2002kraft seines Amtes als US-Präsident.

Weniger Glück hatte der Journalist Gary Webb, der in den 80er Jahre den Iran-Contra-Skandal aufdeckte. 2004 entdeckte man seine Leiche, die zwei Kopfschüsse aufwies. Die US-Polizei diagnostizierte Selbstmord. Rodríguez und Carriles frönen weiterhin ihrer antikubanischen Tätigkeiten in Florida, wo sie unter dem Schutz der US-Sicherheitsbehörden stehen. Und Leitner geht seinen Geschäften in Honduras nach. Daran ändert auch der neue US-Präsident Barack Obama nichts. Und das liegt an seiner Außenministerin Hillary Clinton und ihren speziellen Verbindungen nach Honduras.

Clinton-Connection

Die ehemalige First Lady tut zwar so, als ob sie weiterhin Zelaya als legitimen Präsidenten anerkennt, aber sie unternimmt nichts, damit er in Amt und Würden zurückkehren kann. Die bisherigen Maßnahmen sind Augenwischerei. Die von der US-Regierung zur Schau gestellte aktive Passivität hat einen Grund und der heißt Lanny Davis.

Der US-Amerikaner arbeitet in Washington als Lobbyist für die honduranischen Sektion des rechtslastigen Latin American Business Council, und die hat den Putsch unterstützt. Zu den Clintons hat er eine besondere Beziehung, die von gemeinsamen Studienzeit herrührt. Während der Präsidentschaft von William „Bill“ Clinton diente er als dessen „Sonderberater“ (1996-1998). 2008 leitete er Hillary Clintons Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Davis gehörte zu den prominentesten Spendeneintreibern und machte nebenbei noch Stimmung gegen Clintons innerparteilichen Rivalen Barack Obama. Zur Beratung und Steuerung des Putschregimes in Honduras engagierte Davis den PR-Experten Bennett Ratcliff aus San Diego, wie die New York Times im Juli herausfand. „Jeden Vorschlag, den Michelettis Gruppe vorlegt, stammte von dem Amerikaner oder wurde von ihm abgesegnet“, schreibt die Zeitung. Ratcliff hatte ebenfalls für die Clintons gearbeitet.

Das ist der eine Grund, der Washingtons Haltung zu Honduras erklärt. Ein weiterer heißt Otto Reich. Der antikubanische Hardliner vertritt die Interessen der Republikaner. Unter Reagan steuerte er die verdeckte US-Propaganda gegen Nicaragua. Reich arbeitet ebenfalls als Lobbyist, aber im Telekommunikationsbereich. Sein Anliegen in Honduras ist die Privatisierung der staatlichen Hondutel. Seine Bemühungen trafen einerseits auf den Widerstand von Zelaya und andererseits auf das Wohlwollen Michelettis, der das Unternehmen in der Vergangenheit geleitet hat.

Bürgerkrieg „made by USA, Israel and Germany“

Beide Gründe zusammengenommen, erklären, warum Honduras schon aus innenpolitischen Gründen keine Hilfe aus Washington erwarten kann. Über die geopolitischen Motive der USA informierte GEHEIM in der vorherigen Ausgabe ausführlich. Als ein mögliches Szenario wurde der Bürgerkrieg genannt, den Washington immer dann anheizt, wenn es ein Gebiet nicht beherrschen kann. Dieser Punkt wurde Ende September erreicht, als Zelaya Kampfeswillen bewies und nach Tegucigalpa zurückkehrte. Um das Bürgerkriegsszenario zu steuern, benötigen die USA Fachleute. Dazu gehören an der unsichtbaren Front „Experten“ wie Yehuda Leitner. Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich nicht, aber der Einsatz gewisser Praktiken und Personen.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Regierungen in Washington und Tel Aviv alles daran setzen, um diese Details zu verstecken. Als probates Mittel dient die Diffamierung unter Rückgriff auf den Antisemitismus-Vorwurf. Als williger Vollstrecker der neuen Desinformationskampagne bewies sich, wie beschrieben, die konservative deutsche Tageszeitung Die Welt. Deren bedingungslose Unterordnung gegenüber der US-Politik und der Israels ist bekannt. Ende August 2009unterstrich der Springer-Konzern seine besondere Verbindung mit dem israelischen Staat, als die Bild-Zeitung die Originalbaupläne des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz dem zionistischen Premier Benjamin Nethanjahu übergab. Diese Geste und die Lateinamerika-Berichterstattung zeigen, dass sich die Phalanx von USA, Israel und EU (Deutschland) gegen die progressiven Staaten in Süd- und Mittelamerika positioniert hat. Hinter dem Schleier aus Desinformation, einseitiger Berichterstattung und der Angst, als Antisemit gebrandmarkt zu werden, wenn man die israelische Politik kritisiert, hoffen die drei Mächte, ihre ökonomischen und politischen Interessen durchsetzen zu können. Es bleibt abzuwarten, wann sich dagegen Protest in den drei Hauptstädten erhebt. Bis dahin müssen die revolutionären Führungen in den progressiven Staaten Lateinamerikas alleine versuchen, ihre politischen Projekte gegen die Einmischung des imperialen Trios zu schützen. Der Kampf um Honduras ist dabei lediglich die Ouvertüre.

Quelle: GEHEIM Nr. 3/2009 – 8. Oktober 2009, Seite 17-20

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